10 Fragen und Antworten über Konflikte in der Anwaltskanzlei
1. Was ist ein Konflikt?
Anders als ein Streit entstehen Konflikte nicht durch externe Impulse; sie werden zwar durch andere Menschen und deren Meinungen, Vorschläge oder Verhaltensweisen sichtbar oder hörbar gemacht, nie aber ausgelöst.
2. Wie werden Konflikte im Alltag beschrieben?
Konflikte können bekanntlich über einen „hereinbrechen”, „schwelen”, „ausbrechen” oder „eskalieren”. Diese Semantik erinnert – und das ist unrealistisch! – an Zufälle, Unfälle, Naturkatastrophen und Kämpfe. Auch Synonyme des Begriffs „Konflikt” sind eher negativ konnotiert.
3. Kann ein Sachthema einen Konflikt verursachen?
Nein. Ein Sachthema kann einen Streit verursachen, nicht aber einen Konflikt. Allerdings kann jedes Sachthema die Disposition (mentale Bereitschaft) für einen Konflikt sichtbar und höbar machen, also: auslösen.
4. Warum wirken Konflikte so negativ?
Alle Konflikte sind auf der Beziehungsebene angesiedelt und “brechen aus”, wenn sie mit der Beziehungsebene eines anderen Konfliktträgers in Kontakt treten. Streite (auf der Sachebene) sind durch einfache Verhandlungen lösbar, Konflikte (auf der Beziehungsebene) nur durch ausgebildete Profis.
5. Was sind Eigenschaften eines Konflikts?
Konflikte existieren (im Unterschied zu einem Streit), ohne hörbar, sichtbar oder benennbar zu sein. Sie kommen aus der Vergangenheit und begünstigen Misstrauen, Intriganz oder ständige Einwände im Alltag (das alles gehört zur Tarnung).
6. Wodurch werden / sind Konflikte gefährlich?
Sie werden erst durch ihr Verschweigen, Verdrängen, (un-)bewusstes Aufrechterhalten, Übertragen (eine fremde Person wird behandelt wie ein früherer Konfliktpartner) oder Bewerten gefährlich. Sie werden aufrecht erhalten, sobald sie beiden Konfliktträgern “dienen”.
7. Warum und wodurch tarnen sich Konflikte?
Im Alltag brechen Konflikte selten offen aus und sind daher selten durch Laien erkennbar. Der Konfliktträger braucht die Tarnung, da offene Konflikte sein Wertesystem offenlegen würden. Erst wenn wiederholt Streite, Krankheiten, Missgunst, Arroganz, Intrigen, Straftaten, Gewichtsprobleme, Lügen, Misserfolge oder Sozialphobie im Alltag auftauchen, kann man als Laie Konflikte vermuten.
8. Was ist der Nutzen des Konflikts für seinen Träger?
Konfliktpartner verteidigen (anders als bei einem Streit) keine Meinung, sondern ihre Persönlichkeit. Je nach Persönlichkeit mit lauter Empörung oder stillem Rückzug MÜSSEN Konfliktträger auf die Bedrohung ihres Wertesystem (ihrer Persönlichkeit) durch fremde (feindliche) Werte reagieren, um sich zu schützen.
9. Warum eskalieren Konflikte?
Wären alle Konflikte so einfach anzusprechen wie eine Meinungsverschiedenheit, gäbe es sie gar nicht. Konflikte eskalieren, weil sie im Geschäftsleben normalerweise nicht gefahrlos angesprochen werden können. Sie potenzieren sich, je häufiger unterschiediche Werte sich begegnen.
10. Warum haben alle MitarbeiterInnen Angst vor Konflikten?
MitarbeiterINNen fürchten Konflikte am Arbeitsplatz auch dann, wenn sie nicht selbst in aktiver Rolle beteiligt sind. Sie haben Angst vor Energie- und Jobverlust. Sie fürchten schlechte Leistungsbeurteilung, dauerhaften Stress und Konflikteskalation (auch durch Parteinahme oder Verzicht auf sie).
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