Zwischenruf: Was behindert gute Kanzleiführung?
1. Die Juristenausbildung bereitet Anwälte nicht auf ihre späteren Führungsaufgaben vor.
Ganz im Gegenteil: Sie lässt Anwälte in dem Glauben, Paragraphenkenntnis mache den Anwaltsberuf aus. Sie macht Anwälte dadurch zu Diven im Alltag. Deren Allergie gegen kaufmännische Aufgaben mischt sich mit ihrer gewaltigen Furcht vor Hierarchien und Führung.
2. Anwälte schwächeln täglich in allen Unternehmerrollen, auch in der des Chefs.
Symptome: Strategische Entscheidungen werden nicht getroffen, Mitarbeiterführung bleibt aus und vereinheitlichte Anweisungen, die für alle gelten, gibt es nicht.
3. Anwälte produzieren Zeitnot.
Dadurch zaubern Anwälte täglich ein Zeitmanagement-Drama auf die Bühne, dessen Ursachen sie gern auf externe Faktoren (“Dringende Mandantenanfragen”) schieben. Die ABC-Analyse hilft da nur bedingt, da sie sich nur um anfallende Arbeiten und nicht um vergessene Entscheidungen kümmert. So kann das übliche oberflächliche Zeitmanagement nur scheitern.
4. Anwälte sind in Führungsrollen Ehrenamtler.
Sie werden für Führung weder ausgebildet noch bezahlt, weder gelobt noch kritisiert, weder freigestellt noch jedes Jahr (wieder-) gewählt. Wenn so ein Ehrenamtler mal wirklich zu führen beginnt, trifft er sofort auf Torpedos in den eigenen Reihen. Denn Ehrenamtler führen bekanntlich nicht; sie führen aus.