Rhetorik
Rhetorische Grundregeln bringen Sie ein gutes Stück weiter.
Hier sind die wichtigsten, die bereits vielen Teams zu Erfolgen verholfen haben:
Fragen Sie
Wer fragt, führt. Fragen geben dem Gegenüber Raum. Durch dessen Antworten erkennen Sie die richtige (oder falsche) Richtung.
Durch Fragen spezifizieren und signalisieren Sie Interesse und Kompetenz.
Sie verschieben dadurch den Redeanteil zugunsten des potenziellen Mandanten und erreichen eine unaufdringliche, üblicherweise angenehm wirkende Führung.
Bringen Sie Hauptsachen in Hauptsätze
Hauptsätze haben die größte Aufmerksamkeit des Gesprächspartners.
Hauptsätze sollten daher auch wichtige Botschaften transportieren.
Für den Anwalt ist diese Regel eine Herausforderung.
Die Ausdrucksweise sollte kurz, konkret und präzise sein.
Drücken Sie selbst Unklarheiten klar aus.
Paraphrasieren Sie
Die Zusammenfassung des Gesagten beseitigt nicht nur Missverständnisse und Unklarheiten sondern bewirkt auch den Eindruck, man interessiere sich für Alltag, Branche, Nöte und Besonderheiten des Anfragers und richte sich auf diese ein.
Versehen Sie jedes „Nein“ mit einer Lösung
Ein „Nein“ ist für den Frager immer irritierend. Egal, ob es sich um Ablehnung, Relativierung oder Widerstand handelt. Kombinieren Sie Ihre „Neins“ sofort mit einer Erklärung oder gar mit einer Lösung.
Der Gesprächspartner gewinnt so den Eindruck, dass die Kanzlei lösungsorientiert ist.
„Rechtlich wird das so nicht gehen, da es gegen Bestimmungen des österreichischen Steuerrechts verstößt. Wir haben statt dessen folgenden Weg erfolgreich gewählt: …“
Strukturieren Sie Ihre Botschaften
„Da gibt es drei Dinge zu beachten, nämlich erstens …, zweitens … und drittens… Bei welchem Punkt sollen wir beginnen?“
Anwaltliche Botschaften haben für Nicht-Anwälte häufig keinen Anfang und insbesondere kein Ende.
Fassen Sie sich (besonders bei komplexen Botschaften) kurz, und lassen Sie Ihr Gegenüber bestimmen, bei welchem Punkt er mehr Informationen benötigt.
Zitieren Sie Anwesende
Anwälte geraten beim Sprechen gern und schnell in den Paragraphen-Rausch.
Unterbrechen Sie den und geben Sie Ihren Hörern das Gefühl, nur für sie – und nicht für sich – zu sprechen:
„Wir können zunächst von einigem Widerstand ausgehen, und das stützt Ihre These von vorhin, Frau Dr. Weißkirch, die Käufer werden sich wehren. Sie haben auch gute Gründe dafür. Wir sollten also …“
Spezifizieren und quantifizieren Sie Ihre Kompetenz
Der Anfrager ist an konkreten Zahlen und Fakten interessiert, denn er braucht ein möglichst konkretes Entscheidungsgerüst.
„Allein in den letzten beiden Jahren (quantifizieren) war ich neunmal (quantifizieren) an der steuerrechtlichen Ausarbeitung von x (spezifizieren) beteiligt, davon dreimal (quantifizieren) in einem sehr vergleichbaren Fall. Es ging konkret um die … (spezifizieren).“
Perspektivwechsel
Anwälte empfinden die Gratwanderung zwischen kompetenter Darstellung und arroganter Wirkung wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Die Mandantenfrage „Können Sie das wirklich?“ verführt sie zu nicht quantifizierbaren, arrogant wirkenden Redeweisen wie: „Wir können alles“, „Wir sind die Besten“, Wir haben schon Schwierigeres geschafft“, „Wir sind die Nummer 1“, „Es gibt nichts, was wir nicht können“…
Der Sprecher erhebt sich dadurch über den Frager.
Um das zu vermeiden, sprechen trainierte Anwälte bei Kompetenzanfragen stets aus der „Position nicht anwesender Dritter“:
„Unsere Mandanten erwähnen immer wieder, dass wir …“
Dadurch macht Angeberei einer nicht-defensiven Zurückhaltung Platz.