Führungsaufgaben von AnwältINNen
Führungsaufgaben von AnwältINNen bestehen nach innen vor allem aus dem Willen, Führungsrollen trotz fehlender Ausbildung auszufüllen und im Alltag empathisch, klar und verbindlich zu zeigen.
Nach außen bestehen sie aus verlässlichem, fairem und empathischem Auftritt allen MitarbeiterINNen gegenüber sowie aus
- Planen
- Organisieren
- Delegieren
- Kontrollieren
- Kommunizieren
- Motivieren und Entwickeln
Die Angst des Tormanns vorm Elfmeter
Peter Handke schreibt über den Tormann Bloch, der sich – entgegen seinem Bewegungsdrang – völlig ruhig verhält, damit der Schütze ihm den Ball in die Hände schießt. Das geht nicht immer gut.
Das ungesunde Stillhalten in anwaltlichen Führungsrollen
Manche Anwälte wirken in ihren Führungsrollen ungefähr wie Bloch.
Sie halten sich entgegen ihrer offiziellen Rolle aus diversen Gründen einfach still:
Sie fühlen sich unzuständig für Konflikte in ihrer Umgebung. Sie glauben bei Umsatzverlust an “schwache Märkte”. Sie sind erstaunt, dass “schon wieder PKH-Mandanten in die Kanzlei kommen”. Sie beschuldigen ihre eigene Assistenz, selbst verantwortlich für den “Zickenkrieg im Dezernat” zu sein.
Diese Unsicherheiten in anwaltlichen Führungsrollen sind struktureller Herkunft.
Universitäten trainieren die späteren Anwälte nicht für Führungsthemen, sondern für Paragraphen, obwohl diese aus Mandantensicht nur einen winzigen Teil anwaltlicher Kompetenz ausmachen.
Dieses strukturelle Manko führt im unbereinigten Fall zu Ziellosigkei, Planlosigkeit, Aktionismus und Verantwortungshopping (andere sind Schuld).
- Symptome anwaltlicher Führungsschwäche: Fluktuation, hoher Krankenstand, Misstrauen, Angst vor Fehlern, Assistenz als “Schreibkraft”, chronologisches Abarbeiten, Servicefeindlichkeit, Versprechensbruch und Gleichgültigkeit.
Strategische Führung
Statt nur im operativen Tagesgeschäft Akten abzuarbeiten, definieren die Partner die Marktposition, die Spezialisierung, die Digitalisierung und finanzielle Ziele für die nächsten Jahre, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Aufgaben:
- Ziele für die Kanzlei bzw. das Team festlegen
- Kanzleiabläufe weiterentwickeln
- Digitalisierung und neue Arbeitsmethoden fördern
- wirtschaftliche Entwicklung der Kanzlei berücksichtigen
MitabeiterInnenführung
Mitarbeiterführung ist die gezielte Leitung, Motivation und Förderung des Teams durch die Kanzleiinhaber oder Partner. Fachliche Koordination wird mit sozialer Kompetenz verbunden, um Mandanten optimal zu betreuen und den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.
Aufgaben:
- Mitarbeiter anleiten und motivieren
- Aufgaben und Verantwortlichkeiten festlegen
- Mitarbeitergespräche führen
- neue Mitarbeiter einstellen
- neue Mitarbeiter einarbeiten
- Fort- und Weiterbildungen fördern
Mandatsführung
Die Mandatsführung einer Kanzlei beschreibt die gesamte Bearbeitung, Steuerung und Betreuung eines Mandats. Sie verbindet die juristische Arbeit am Fall mit der organisatorischen Verwaltung in der Kanzlei.
Aufgaben:
- Bearbeitung der Mandate koordinieren
- Zuständigkeiten festlegen
- Qualität der juristischen Arbeit sicherstellen
- wichtige Entscheidungen mit den zuständigen Anwälten abstimmen
Kommunikationsführung
Sie steuert, wie Anwälte und Mitarbeiter mit Mandanten, Behörden, Gerichten und im Team sprechen. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen, Fachwissen verständlich zu machen und Arbeitsabläufe fehlerfrei zu organisieren.
Aufgaben:
- Informationen innerhalb des Teams weitergeben
- Besprechungen leiten
- Konflikte und Missverständnisse klären
- Ansprechpartner für Mitarbeiter sein
Qualitäts- und Kontrollaufgaben
Standardisierte Abläufe, strenge Fristenkontrolle, Risikomanagement sowie die kontinuierliche Überprüfung der Arbeitsergebnisse sichern die Qualität der Arbeit.
Aufgaben:
- Einhaltung von Kanzleistandards kontrollieren
- Arbeitsqualität überprüfen
- Datenschutz und Verschwiegenheit beachten
- Fehler analysieren und Verbesserungen einleiten
Arbeitsorganisation
Die Arbeitsorganisation einer Kanzlei beschreibt, wie Aufgaben, Abläufe und Zuständigkeiten zwischen Anwälten und Mitarbeitern geregelt sind. Das Ziel ist ein reibungsloser Ablauf, damit Fristen eingehalten, Mandanten schnell betreut und Fehler vermieden werden.
Aufgaben:
- Aufgaben sinnvoll verteilen
- Arbeitsabläufe planen und koordinieren
- Prioritäten setzen
- Fristen und Termine im Blick behalten
- Vertretungen organisieren
- Assistenzaufgaben upgraden
Motivation und Teamentwicklung
Beides beschreibt das gezielte Fördern des Teamgeistes, der Arbeitsfreude und der Zusammenarbeit zwischen Anwälten und ihrer Assistenz. Ziel ist es, die Qualität der Mandatsarbeit zu sichern, Fachkräfte langfristig zu binden und den Kanzleierfolg gemeinsam zu steigern.
Aufgaben:
- Mitarbeiter wertschätzen und motivieren
- Zusammenarbeit fördern
- Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter erkennen
- ein gutes Arbeitsklima schaffen