Beschwerdemanagement in der Anwaltskanzlei
Eine Beschwerde ist eine hilfreiche Reaktion auf einen Kanzleifehler.
Wer das ernst nimmt, weiß:
„Jede Beschwerde führt zu einem neuen Mandat“
Eine Beschwerde ist eine hilfreiche Reaktion auf einen Kanzleifehler.
Wer das ernst nimmt, weiß:
„Jede Beschwerde führt zu einem neuen Mandat“
Wenn ein Mandant eine Beschwerde äußert
Die Kritik eines Mandanten ist nur dann eine Beschwerde, wenn die Kanzlei zuvor etwas falsch gemacht hat. Der Ton kann ruppig sein:
“Wieso ruft der nicht zurück??? Ich warte schon seit 15 Uhr auf den versprochenen Rückruf!”
Emotion, Zorn und Empörung klingen durch.
Wenn ein Mandant Einwände hat
Dann hinterfragt er anwaltliche Meinungen, Strategien oder Vorgehensweisen in einem relativ sachlichen Ton: “Meinen Sie wirklich, dass meine zukünftige Exfrau unser Schreiben schon jetzt erhalten sollte?”
Sachlich begründete Sorgen und Zweifel klingen durch.
Der Einzige, der seriös Auskunft geben kann über die Außenwirkung Ihrer Kanzlei ist der, der Sie bezahlt.
Wenn der Mandant Abläufe, Prozesse und Versprechen Ihrer Kanzlei kritisiert, sind diese unbedingt optimerungsbedürftig.
Wie oft haben Sie sich schon über eine Dienstleistung oder ein Produkt beschwert, wenn Sie dieses nicht attraktiv fanden?
Niemand macht sich die Mühe, eine Bescherde laut dem Verursacher gegenüber zu äußern, wenn er
Hier, mitten im Mandat, ist der Vorteil für den Mandanten enorm: Der Anwalt ist vor kurzem ein Minderleister gewesen, und wenn er das wiederholt, verlieren wir Zeit / Energie / Vertrauen oder gar den Prozess.
Engagierte Mandanten zeigen ungeschminkt, was in der Kanzlei nicht funktioniert.
Wer mit einer Beschwerde professionell umgeht, gewinnt nicht nur den Respekt seines Kunden zurück, sondern auch eine der wertvollsten Ressourcen für die Weiterentwicklung der Kanzlei.
Beschwerden sind kostenloses externes Feedback.
Sie machen sichtbar, wo Potenziale liegen und dienen als strategisches Instrument zur Steuerung von
Der Kritiker erwartet eine professionelle, transparente und zügige Bearbeitung seiner Beschwerde.
Daher ist entscheidend, was Kanzleien aus diesen Rückmeldungen lernen.
Strategischer Mehrwert der Kritisierten
Ein modernes Beschwerdemanagement verarbeitet Beschwerden nicht nur, sondern erzeugt strategischen Mehrwert.
Beschwerden dienen als Frühindikator für Schwachstellen in der Kommunikation.
Sie liefern verwertbare Daten über Ursachen, wiederkehrende Muster und Verbesserungsbedarf.
Zentral und für alle gültig: Beschwerdemanagement
Ohne zentrale Steuerung, klare Prozesse und einheitliche Dokumentation entsteht ein Flickenteppich an Lösungen, der Transparenz verhindert, Risiken erhöht und Organisationen schnell an ihre Belastungsgrenzen führt.
Dies ist einer der Hauptgründe, warum bestehende Systeme häufig überlastet sind.
Verbsserungspotenzial
Entscheidend sind dabei transparente Abläufe, verlässliche Antwortzeiten, skalierbare Systeme und ein präzises Reporting, das fundierte Entscheidungen ermöglicht und Verbesserungspotenziale früh erkennbar macht.
Professionelle Beschwerdeverfahren
Entscheidend ist jedoch, wie Organisationen mit diesen Rückmeldungen umgehen.
Entscheidend ist jedoch, wie Organisationen mit diesen Rückmeldungen umgehen. Regulierte Branchen und der öffentliche Sektor stehen hier besonders unter Druck. Doch auch Unternehmen in anderen Bereichen profitieren von klaren Strukturen und verlässlichen Abläufen.
AssistentInnen sind der Schlüssel zu einem funktionierenden Beschwerdemanagement.
Sie “kriegen die Beschwerde ab”, ohne sie zu verantworten.
Sie sind es also auch, die trainiert werden müssen im unmittelbaren Umgang damit.
Daher braucht es ein systematisches Qualifizierungs‑ und Einsatzkonzept, das sowohl den Start als auch die fortlaufende Weiterentwicklung unterstützt.
Dazu gehören:
Sie dokumentieren den Wunsch nach Qualitätsoptimierung.
Beschwerdemanagement hat rhetorische und organisatorische Komponenten. Es
Eine Beschwerde kommt hoffentlich selten allein.
Beschwerdemanagement setzt voraus, dass dem Anwalt der Gegenstand der Beschwerde bekannt wird.
Meistens informiert ihn die Assistentin, dass ein Mandant sauer ist; der Anwalt wusste bis dahin nicht, dass etwas schief gelaufen war – oder er wollte das nicht wissen.
Proaktiver Umgang
Manchmal weiß der Anwalt selber, dass er ein Versprechen gebrochen hat und agiert pro-aktiv: Er ruft den Mandanten an, BEVOR der sich beschwert. Das ist ratsam, sobald
Das klassische Beispiel für die Möglichkeit zum pro-aktiven Beschwerdemanagement ist der zu spät gefertigte Schriftsatz. Sie hatten sein Eintreffen für Donnerstag angekündigt, und heute ist schon Freitag.
Reaktiver Umgang
Reaktives Beschwerdemanagement macht in Kanzleien etwa 90 % des Beschwerdehandlings aus.
Es ist viel besser als gar keins!
Der Anwalt reagiert auf eine Beschwerde und ruft den Mandanten an.
Er entschuldigt sich und bietet eine Leistung an, um es wieder gut zu machen.
Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten.
Wenn Sie meinen, der Mandant sei ungehalten, wenn er nicht “bis Donnerstag” das Schreiben zugesagt bekommt, machen Sie sich dieses klar:
Anwälte bekommen täglich Einwände von allen Seiten, und oft kommen
Inhaltliche Einwand-Kategorien
1. Fehlendes Budget: Das Angebot ist dem Kunden zu teuer oder sprengt aktuell den finanziellen Rahmen.
2. Mangel an Bedarf: Der Kunde sieht keinen Nutzen im Produkt oder ist mit seiner aktuellen Lösung zufrieden.
3. Fehlende Dringlichkeit: Das Problem ist bekannt, muss aber laut dem Kunden nicht sofort gelöst werden („Ich überlege es mir noch“).
Gefühlte Einwand-Kategorien
1. Fehlendes Vertrauen: Es gibt Zweifel an der Qualität des Produkts, an der Zuverlässigkeit des Anbieters oder am versprochenen Nutzen.
1. Innere Einwände
“Das soll ich auch noch machen? Mein Tag hat nur 24 Stunden!”
2. Rollenkonfrome Einwände
Anwälte bevölkern eine naturgemäß verhandlungsintensive Umgebung, die nicht abhängig von der Persönlichkeit des Einzelnen ist.
Nicht denkbar sind insbesondere
Sie haben immer einen Vorteil, wenn eine Kritik geäußert wird. Sie wissen dadurch, wie der andere denkt und können schnell reagieren.
Freuen Sie sich über jeden geäußerten Einwand Ihres Gesprächspartners. Denn Sie haben dadurch jedes Mal zwei Vorteile:
3. Ungeschickte Kommunikation: Vom Einwand zum Konflikt
Anwälte reagieren ungeschickt auf Einwände. Sie begeben sich in die Defensive, wirken aggressiv oder eingeschüchtert oder wählen den Billigtrost.
Hier ein Beispiel aus einer Pause auf dem Gerichtsflur:
Einwand: “Sie haben sich nicht genug für mich eingesetzt.”
Zwei von sieben EntscheiderInnen in einer Kanzlei mit 22 Anwälten an zwei Standorten wurden sieben Jahre nach Kanzleigründung als “Geschäftsführende Partner” von der Partnerversammlung gewählt.
Der Anlass für diesen Schritt waren ziel- und ergebnisferne Endlosdebatten in der Partnerversammlung gewesen.
Wenn gewählte Führungskräfte zu führen beginnen
Hierarchiefurcht ermöglicht Entscheidungen, deren Folgen der Entscheider anschließend selbst beargwöhnt; so war es auch hier:
Nichts ist für Anwälte schlimmer als von Gleichrangigen geführt zu werden.
Lautstarke (im Flur gebrüllte) oder leise Einwände (hinter vorgehaltener Hand getuschelte) Einwände beklagen die Folgen des eigenen Verhaltens (Geschäftsführerwahl) den beiden neuen Geschäftsführern gegenüber.
Einwandbehandlung durch offene Fragen
Wer als Reaktion auf einen Einwand monologisch agiert (Erklärungen abgeben, defensiv oder patzig wirken, sich rechtfertigen, zurechtweisen etc.), verliert sowohl seine Führungsrolle gegenüber dem Einwandgeber als auch seinen Einfluss auf die Kanzlei insgesamt.
Führungsrollen haben nichts Beliebiges und dürfen nicht durch andere Personen angreifbar sein.
Also muss ein Methodenwechsel her.
Die beiden Partner lernen Einwandbehandlung
In einem Intensivseminar lernten die beiden gewählten GeschäftsführerInnen den Umgang mit Einwänden gegenüber ihrer Rolle und ihrem daraus resultierenden Führungsverhalten.
Das klingt so:

Argumentiere vielmehr sach- und faktenorientiert. Suche das Gemeinsame und reduziere emotionale Widerstände. Du willst den Kunden erfolgreich machen, mit ihm die objektiv beste Lösung für sein Unternehmen, sein Team und seine Karriere erarbeiten.
Einwandvorwegnahme
Sie kennen den Einwand und sprechen ihn selbst aus. Danach kommt Ihr eigenes Argument, das ihn entkräftet.
„Viele meiner Mandanten waren schon kritisch gegenüber X. Dann haben wir Y probiert, und es klappte. Wie sagen Sie dazu?
Einwandzusammenfassung
Jede Zusammenkunft findet auf dem Tisch (Inhaltsebene), über dem Tisch (Ablaufebene) und unter dem Tisch (Beziehungsebene) statt.
Bringt der Mandant einen Einwand an, antworten Sie immer erst auf der Beziehungsebene:
“Da misstrauen Sie noch unserer Aufwandsschätzung? Habe ich Recht? … Wie kommt der Zweifel zustande?“
Den Einwand honorieren
Sie zeigen inhaltliches Verständnis für die kritische Haltung des Mandanten. Sie geben durch Perspektivwechsel bekannt, dass er nicht der Einzige ist:
“Danke für Ihren konstruktiven Hinweis, ich erinnere mich, dass das bei einem anderen Mandanten genauso war.
Gehört der Vorbehalt des Kunden nicht unmittelbar zum Thema, dann darfst Du diesen diplomatisch ablehnen. Haben der Kunde und Du zuvor eine Terminagenda vereinbart, lässt sich die Technik einfach und glaubwürdig anwenden.
Formuliere den Kundeneinwand in eine positive offene Frage um. Senke auf diese Weise die Schärfe und lenke die Diskussion zurück auf die Inhaltsebene.
Statt einer Antwort stellst Du dem Kunden eine offene Gegenfrage und hörst aktiv zu. Das verschafft Dir Zeit, sorgt für Informationsgewinn und signalisiert geistige Offenheit. Nachteilig ist der zusätzliche Raum, den Du dem Bedenken einräumst.
Du veränderst den Kontext, aus denen der Einwand betrachtet wird. Durch aktives Reframing lenkst Du die Aufmerksamkeit des Kunden auf andere Diskussionspunkte.
Argumentiere mit den Vorteilen und Nachteilen der diskutierten Sache. Das ausgewogene Abwägen zwischen Pro & Contra sowie den Blick auf Chancen und Risiken bezeugen Deine Sachlichkeit.
Führe Erfahrungen vergangener Kundenprojekte, Erkenntnisse anerkannter Experten sowie offizielle Aussagen vergleichbarer Kundenunternehmen ins Feld. Je renommierter die Schützenhilfe, desto wirksamer die Entkräftung.
Bestätige den Kundeneinwand und bitte diesen mit Verweis auf Zeitnot, Terminziele, Themenkomplexität etc. am Ende des Treffens zu adressieren. Erhöhe die Wirkung dieser Technik, indem Du vor Beginn die Agenda und Regeln des Treffens mit dem Kunden vereinbarst.
Du erweiterst den Kreis der Beteiligten und reichst den Einwand an Teamkollegen, das Vortragspublikum, Kundenmitarbeiter etc. weiter. In Folge wird der Kundeneinwand abgeschwächt und persönliche Vorbehalte gegenüber Dir aus dem Spiel genommen.
Mittels einer hypothetischen Frage schlägst Du dem Kunden vor den Einwand im Raum stehen zu lassen und später zu behandeln. Dazu verweist Du auf die vielen offenen (im Idealfall für den Kunden nützlichen) Diskussionspunkte. Der Kunde sollte Deiner Annahme explizit zustimmen.
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