Reputationsaufbau in Kanzleien
Wie Sie – auf dem Weg zum sinnvollen Kanzleimarketing – für Ihre Kanzlei Marktchancen ermitteln und steigern.
Wie Sie – auf dem Weg zum sinnvollen Kanzleimarketing – für Ihre Kanzlei Marktchancen ermitteln und steigern.
1. Optimieren Sie Ihren „track record“:
Ihre Reputation setzt sich zusammen aus der Liste erfolgreich beendeter Mandate bzw. erfolgreich beratener Mandanten („track record“) und Ihrer persönlichen Bekanntheit in Fachkreisen.
2. Bauen Sie auf „Hebelwirkung“
Das Management Ihrer Reputation setzt Effizienz voraus: Wer einmal einen Vortrag in allen Details ausgearbeitet hat, kann sein Spezialwissen 5x wieder verwerten: in Fach-Aufsätzen, in Ihrem newsletter, in einem Podcast, in Ihren Blogs und als Beitrag in einem Buch.
3. Fokussieren Sie
Ohne persönliche Reputation gibt es langfristig keinen Erfolg. Die Entwicklung eines nachhaltigen „track record“ zeigt der Öffentlichkeit die innere Stringenz Ihrer Mandate. Berichten Sie immer wieder darüber. Fokussieren Sie: immer dasselbe Thema in unterschiedlicher Form.
4. Arbeiten Sie hart.
Die persönliche Reputation ist eine Mischung aus harter Arbeit und anfangs schmerzhafter Fokussierung. Lohnende Mandanten und mandate entstehen durch Ihre Bekanntheit. Nicht andersherum. Halten Sie Vorträge bei passenden Branchenforen und bei den Lieferanten des eigentlichen Ziels (Radiusakquise).
5. Betreiben Sie Radiusarbeit.
Der eigentlich angestrebte Unternehmer-Mandant wählt seinen externen Anwalt entweder nach Empfehlungen vertrauter Partner – oder er folgt der Wahrnehmung seiner peergroups: Fachzeitschriften, Vortragsveranstalter und JUVE – Rankings befördern weiter die Reputation einzelner Anwälte.
6. The „early mover advantage“
Der frühe Vogel fängt den Wurm. „Je früher ein Anbieter auf einem neuen Markt präsent ist, desto erfolgreicher wird er sein.“ Wer noch im Jahr der EU Erweiterung die steuerrechtlichen Eckpunkte für Investitionen in acht neuen osteuropäischen EU-Ländern in einem modulhaften Nachschlagewerk erläutert, hat ihn auch.
7. Wählen Sie die für Sie passende Kanzlei.
Ihre persönliche Reputation hängt anfangs ab von Sprungbrettmandaten. Wenden Sie sich deshalb entweder an eine Kanzlei, deren Rechtsgebiets-Lücke Sie zu Ihrem Schwerpunkt machen (Kanzlei ist früher entschieden als Schwerpunkt) oder an eine, die Ihr bereits fest stehendes Spezialgebiet noch nicht anbietet (Schwerpunkt ist früher entschieden als Kanzlei).
8. Sprungbrettmandate bringen Reputation.
Von nix kommt nix. Ihre ersten Jahre als Anwalt sind hart, kompliziert und arbeitsintensiv. Persönliche Reputation (und der praktische Teil des Fachanwaltstitels) hängen anfangs ab von Sprungbrettmandaten. Wenden Sie sich deshalb an eine Kanzlei, deren Rechtsgebiets-Lücke Sie zu Ihrem Schwerpunkt machen (Einsteiger-Kanzlei ist früher entschieden als Ihr Schwerpunkt) oder die Ihr bereits fest stehendes Spezialgebiet noch nicht anbietet (Ihr Schwerpunkt ist früher entschieden als Kanzlei).
Details:
Neben den eher technischen Methoden zur Reputationsgewinnung („early mover advantage“, Radiusarbeit, “track record“, Hebelwirkung und Sprungbrettmandate) entscheidet vor allem der Wille zur anstrengenden Reputationsarbeit über den Erfolg.
Ihre Reputation setzt sich zusammen aus der Liste erfolgreich beendeter Mandate bzw. erfolgreich beratener Mandanten („track record“) und Ihrer persönlichen Bekanntheit in Fachkreisen.
Die immer wieder kehrende Frage aus dem Kreis potenzieller Mandanten lautet: „Was haben Sie in diesem Bereich bereits gemacht?“ Benennen Sie in dieser Situation möglichst konkret die Ausrichtung bisheriger Mandate und deren Gemeinsamkeiten (Spezifizierung) sowie deren Anzahl, Dauer und Streitwerte (Quantifizierung). Das macht die Schilderung Ihrer Kompetenzen anschaulich und glaubhaft.
Die Antwort wird Ihnen umso leichter fallen, wenn Sie frühere Mandanten als Referenzen benennen dürfen.
Das setzt entweder einen Pressebericht voraus, in dem Sie öffentlich als Anwalt dieses Mandaten benannt sind, oder Ihnen liegt die Zustimmung des Mandanten vor.
Track records eines jeden Anwalts gehören in die interne Dokumentation auch mittelständischer Kanzleien. Sie sind dort einsehbar über das Intranet für jeden Kollegen, müssen durch jeden Anwalt akribisch aktualisiert werden und bilden so eine Voraussetzung für ein strukturiertes „cross-selling“.
Einmal investiert – fünfmal profitiert!
Das Management Ihrer Reputation setzt Effizienz voraus.
Wer einmal einen Vortrag in allen Details ausgearbeitet hat, verfügt über abrufbares Spezialwissen in gebündelter Form.
Dieses „Kapital“ können Sie Gewinn bringend bei fünf weiteren Akquise-Aktivitäten anlegen:
• inhaltlich erweitert in Fach-Aufsätzen,
• deutlich reduziert und sprachlich banalisiert in Ihrem newsletter,
• mit fetziger Überschrift auszugsweise in Ihrer Internetseite zum “download“,
• bei Ihren „cold calls“ als appetizer in Gestalt eines „kleinen, frischen Aufsatzes“
• als ständig aktualisierter Beitrag in einem Buch.
Ohne persönliche Reputation gibt es langfristig keinen Erfolg. Haben Sie den Mut, lieber kleinere Mandate auf dem Gebiet Ihrer angestrebten Spezialisierung zu bearbeiten als alles opportunistisch zu bearbeiten, was lohnende Umsätze verspricht.
Je höher das Honorar, desto besser das Mandat?
„Ich bin spezialisiert auf alles, was Geld bringt“, postulierten noch vor wenigen Jahren Vertreter einer inzwischen fast ausgestorbenen Spezies von Anwalts-Strategen, deren Weitsicht durch Dollarzeichen im Auge getrübt war.
Keinem jungen Anwalt kann man heute diese Überzeugung verdenken, besonders nicht, wenn er im Bereich von Großkanzleien im Unternehmenskauf oder anderen „high-end“ –Mandaten anzudocken versucht.
Strukturen von Großkanzleien begünstigen in zweierlei Hinsicht diese kurzfristig verführerische Denke:
Der associate punktet in den Augen der Partnerriege eher durch hohe Umsätze als durch stringente Arbeit an einem Schwerpunkt. Nicht einmal zehn Prozent von ihnen werden überhaupt zum Partner ernannt. Der Konkurrenzkampf ist hart.
Die persönliche Reputation ist eine Mischung aus harter Arbeit und anfangs schmerzhafter Fokussierung.
Um an einen lohnenden Mandanten heran zu kommen, betreiben Junganwälte Radiusarbeit.
Sie wählen besonders in Großkanzleien, Boutiquen und spezialisierten Mittelstandskanzleien gezwungenermaßen einen Umweg. Sie
Langfrist Akquise
Dieses Vorgehen hat sich vielfach als beste Langfrist-Akquise-Strategie bestätigt: der eigentlich angestrebte Unternehmer-Mandant wählt seinen externen Anwalt entweder nach Empfehlungen vertrauter Partner – oder er folgt der Wahrnehmung der peergroups, die die Reputation einzelner Spezialisten promoten.
Redakteure von Fachzeitschriften drucken Artikel mit hohem Alltagsnutzen für die Leser, Vortragsveranstalter wie das „Forum“ mailen 10.000-fach Programme mit Namen und Themen der Referenten an potenzielle Mandanten, Richter zitieren Sonderdrucke und Urteile.
Rechtsmarktspezialisten wie JUVE ermitteln in Rankings die umsatzstärksten Kanzleien und vergeben „awards“ für die besten Kanzleien in vielen Rechtsgebieten.
Das dortige „Anwaltskarussell“ (öffentliche Informationen über personelle Wechsel von Kanzlei zu Kanzlei) sowie Mitteilungen über abgeschlossene Deals befördern weiter die Reputation einzelner Anwälte.
Der frühe Vogel fängt den Wurm.
„Je früher ein Anbieter auf einem neuen Markt präsent ist, desto erfolgreicher wird er sein.“
Bekannte Beispiele für den „early mover advantage“
Wer im Jahr 1996 einen 1500 Seiten starken Praktiker-Kommentar zum Markenrecht heraus gibt, obwohl erst sechs Monate vorher das neue Markengesetz erlassen wurde, der hatte ihn.
Wer noch im Jahr der EU Erweiterung die steuerrechtlichen Eckpunkte für Investitionen in acht neuen osteuropäischen EU-Ländern in einem modulhaften Nachschlagewerk erläutert, der hatte ihn auch.
Wer 1990 die Rechtsfolgen der Überführung der Treuhand in eine GmbH in Mandate umzuwandeln verstand, der hatte ihn erst recht.
Wer 1992, dem Geburtsjahr des Domainrechts, einen umfassenden Kommentar zu diesem nagelneuen Rechtsgebiet schrieb, hatte ihn auf jeden Fall: den „early mover advantage“.
Reputation dient den zukünftigen Kunden als Wegweiser und den Kanzleien als vertrauensbildende Maßnahme Unbekannten gegenüber.
Eine Kanzlei, die ihre Reputation aktiv verbessern will, steht tatsächlich vor einigen lohnenden Aufgaben: Sie muss
Ihre persönliche Reputation hängt anfangs ab von Sprungbrettmandaten.
Wenden Sie sich deshalb entweder an eine Kanzlei, deren Rechtsgebiets-Lücke Sie zu Ihrem Schwerpunkt machen (Kanzlei ist früher entschieden als Schwerpunkt) oder an eine, die Ihr bereits fest stehendes Spezialgebiet noch nicht anbietet (Schwerpunkt ist früher entschieden als Kanzlei).
Schneller Aufstieg
Beide Szenarien ermöglichen Ihnen die Chance des schnellen Aufstiegs und der Teamleitung bereits in jungen Jahren.
Vielleicht wählen Sie auch eine Kanzlei, die sich bereits einen wohlklingenden Namen gemacht, also eine Unternehmensreputation aufgebaut hat auf dem von Ihnen gewählten Schwerpunkt (Rechtsgebietsfokus).
Sie werden diesen Weg wählen, wenn Sie möglichst schnell möglichst viel in einem Gebiet lernen und eigenverantwortlich spezialisierte Mandate bearbeiten wollen.
Am Start großer Karrieren finden sich häufig kleine Mandate. Anwälte aller Kanzleigrößen unterschätzen deren Wichtigkeit.
Suchen Sie Ihr „Sprungbrett“ passend aus zu Ihrem Ziel, Ihrem Rechtsgebiet, Ihrer gewünschten Spezialisierung, zur angepeilten Branche – und besonders zur eigenen Passion!
Ohne Leidenschaft sind Erfolge selten nachhaltig.
Kooperationen nutzen
Legen Sie es in der Anfangszeit auf die erfolgreiche Vertretung kleiner Unternehmen eines Segments oder in einem Rechtsgebiet an. Machen Sie mit Ihren Kanzlei-Kollegen „gemeinsame Sache“ und präsentieren Sie ihnen kanzleiintern – auch im Vorbeigehen – den Nutzen Ihres Rechtsgebiets für deren Mandanten.
Manchmal hilft der so genannte „Zufall“, und die Passion für ein Rechtsgebiet „fällt Ihnen zu“: der Senior delegiert einen kleineren Fall an Sie – und Sie verlieben sich im Alter von 32 Jahren unsterblich J in rechtliche Details der Unternehmensnachfolge.
Kleine Mandate – große Wirkung
Sprungbrettmandate sind oft klein und fallen als „Abfallprodukte“ größerer Mandate nicht jedem Mandatsinhaber auf.
Weisen Sie immer wieder pro-aktiv alle Kollegen auf die typischen Einfallstore solcher Mandate hin.
Was hier Dolf Weber (Gründer der Großkanzlei Clifford Chance) seinen Junganwälten in seinen „Briefe an junge Juristen“ zu sagen hat, mutet an wie eine Mischung aus Business Knigge, Lebensweisheit und Managementtraining.
Am besten, Sie nehmen alles wörtlich und beherzigen diese Gebote Ihrer persönlichen Reputation:
Wissen Sie, welche Informationen im Internet über Ihre Kanzlei gefunden werden?
Ist Ihr Online-Auftritt eine werthaltige und nützliche Vertrauensbotschaft?
Oder zeigt er veraltete, falsche oder Ruf schädigende Bewertungen?
Der erste Eindruck zählt – auch online.
Welchen ersten Eindruck hinterlassen Sie online bei Mandanten, Geschäftspartnern und Stellensuchenden?
Fragen Sie KI oder googeln Sie sich selbst.
Zählen Sie, wie viele veraltete Angaben über Ihren früheren Kanzleinamen, über Ihre Telefonnummern, Adressen und Rechtsgebiete Sie finden. Beauftragen Sie einen Internet affinen Jura-Studenten mit der Löschung dieser Daten.
Googeln Sie Ihre Leistungen – ohne Ihren Nachnamen und ohne Ihren Ort.
Wie lange dauert es, bis Ihre Telefonnummer oder Ihre e-mail Adresse gefunden sind? Zählen Sie die Google-Seiten in der Trefferliste vor Ihnen. Sie sehen sich gar nicht? So geht es Ihren Interessenten auch – und weg sind sie.
Analoge und digitale Reputation gehören zusammen.
Viele Anwälte beschädigen ihren Ruf, den sie sich analog gebildet haben (durch Direktkontakte), indem sie ihn digital gleich wieder verscherbeln (nicht auffindbar im Internet).
Online Reputation überprüfen
Wissen Sie, ob sich jemand mit „Ihren Federn schmückt“ oder absichtslos denselben oder einen sehr ähnlichen Namen führt und mit diesem in der rechtsradikalen Szene herumtönt? Wissen Sie, ob Sie häufig gefunden werden, wenn jemand nach „Strafrecht“ sucht, obwohl Sie das noch nie gemacht haben?
Wissen Sie, ob man Ihre Texte ohne Erlaubnis kopiert und verwendet? „Illegale Dubletten“ werden durch die elektronischen Tools professioneller Anbieter herausgefischt. Der Bösewicht wird ggfs. zur Verantwortung gezogen.
Beide steigern allerdings Umsatz und Reputation nur, wenn Kanzleiziel und Kanzleistrategie die gemeinsame Richtung vorgeben.

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Johanna Busmann, Hamburg
30 Jahre Anwaltstraining, Strategieberatung und Kanzleicoaching
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