Mandantenkommunikation in der Kanzlei
In jedem Stadium des Mandantenkontakts ist Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg.
Vom ersten Telefonat bis zur Rechnung können Sie alles richtig machen – oder vieles falsch.
17 chronologisch geordnete Tipps:
1. Erste Kontaktaufnahme: Schon die Assistenz kann und sollte eine schnelle Kollisionsprüfung durchführen und die Dringlichkeit klären (Gerichtsfrist oder nicht?). Der Anwalt antwortet innerhalb eines klar definierten Zeitfensters.
2. Terminsvereinbarung: Die Assistenz vertritt das Kaiserschloss, in dem der Künde lediglich als König “zu Besuch” ist. Sie gibt telefonisch zwei Termine zur Auswahl und trägt einen davon ein. Klare Terminarten nennen mit kleinem Zeitfenster: für Erstorientierung, Erstberatung, Strategieberatung, Folgetermin, Dokumentenbesprechung etc.
3. Honorarinformation: Der Anwalt erklärt früh, freiwillig, deutlich und in absoluten Zahlen alle Teile der Gegenleistung. Er sagt auch, wodurch eine Pauschale möglich wird, ob (der vom Aufwand her nicht abschätzbare Teil des Mandats) nach einem Stundenhonorar abgerechnet wird und wie hoch dieser Stundensatz ist.
4. Mandanten-Onboarding: Der Ansprechpartner des Mandanten für rechtliche und taktische Fragen ist immer erreichbar über die Assistenz Frau X. Und es ist immer derselbe.
5. Unterlagen anfordern: Je schneller die Unterlagen in der Kanzlei vollständig sind, desto besser arbeitet der Anwalt. Assistenz ist “head of operation”: Bitte senden Sie uns (Checkliste!) den Vertrag vom…, den Schriftverkehr mit …, den Bescheid vom …, alle bisherigen Rechnungen, vorhandene Fristen, bisherige Bemühungen, Gesprächsprotokolle zu… etc.
6. Statusupdates im laufenden Mandat: Proaktive (also: unverlangte) Kommunikation statt reaktive Kommunikation. Proaktive updates wie: „Wir haben den Schriftsatz eingereicht“ oder: „Wir warten derzeit auf die Stellungnahme“ helfen sofort.
7. Schlechte Nachrichten kommunizieren: Das Überbringen von schlechten Nachrichten ist eine A-Aufgabe, wird also durch den Anwalt selbst und sofort nach Bekanntwerden der Nachricht vorgenommen und besteht aus fünf Etappen.
8. Juristendeutsch reduzieren: Klare, aktive, nicht relativierende Alltagssprache wie “Der Kläger setzte sich durch.” Wenn der Mandant Sie versteht, hat er den Eindruck, Sie verstünden ihn.
9. Strategische Optionen darstellen: Mehrere Handlungsoptionen darstellen. Der Anwalt bezieht den Mandanten in strategische Überlegungen ein. Durch Mitbestimmung behält der Mandant die Verantwortung für seinen Teil der Mandats-Entscheidungen.
10. Strategische Optionen darstellen: Mehrere Handlungsoptionen mit dem Mandanten durchgehen. Was er mitentscheidet, greift er nicht an.
11. Kommunikationskanäle festlegen: Die Mandatsorganisation muss von Anfang an festlegen, wie der Anwalt mit dem Mandanten – und umgekehrt! – kommuniziert: Über das Mandantenportal? Über die Mailadresse der Assistenz? Notfalls muss die Assistenz den gewünschten Weg mit ihm “einüben”.
12. Umgang mit Beschwerden: Beschwerden setzen einen Kanzlei- oder Anwaltsfehler voraus und werden dem Anwalt oft erst durch den Anruf des Mandanten bekannt. Beschwerdeführer sind mit dem Produkt (Dienstleistung) oder dem Anwalt selbst eng verbandelt; sie würden sich ansonsten die Mühe einer Beschwerde ersparen. Pflegen Sie den Beschwerdeführer und danken Sie ihm.
13. Rechnungskommunikation: Die Rechnung und ihr Zeitpunkt enthalten keinerlei Überraschung. Alles muss VORHER besprochen sein. Wenn es zu Gericht geht, VORHER Vergleichsgebühren thematisieren, die Folgen unverhoffter Mehraufwände sofort (vor oder bei Entstehen) besprechen, Kostenentwicklung engmaschig dokumentieren.
14. Mandatsabschluss: Unabhängig vom Ergebnis kann der Mandatsabschluss für Wohlgefühl sorgen. Funkstille ist tödlich. Rück- und Ausblick machen Sinn: Was wurde erreicht? Zukunft: Was ist noch zu beachten? Was brauchen Sie noch? (Cross Selling einleiten…)
15. Nachbetreuung: Nicht jedes Mandat sollte nach der Rechnung vollständig enden. Erinnerung an relevante Fristen, Nachfrage nach einigen Wochen, Information über rechtlich relevante Änderungen (“newsletter”), Einladung zu passenden Informationsformaten.
16. Empfehlungsmanagement: Zufriedene Mandanten werden pro-aktiv vom Anwalt um eine Weiterempfehlung gebeten. Das sollte auch die Assistenz in ihrer Abschlssmail vermerken – mit link zur Kanzleibroschüre.
17. Bewertungsmanagement: Fast kein neuer Mandant kommt zu Ihnen, ohne über Sie Bewertungen gelesen zu haben. Für Sie heißt das: Unzufriedene Mandanten vor Mandatsende zufrieden stellen. Verlorene Prozesse müssen vorher negativ prognostiziert gewesen sein. Zufriedene Mandanten mit link zum Google-Profil auf Bewertungsmöglichkeiten hinweisen.
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