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Mandantenkommunikation in der Kanzlei

In jedem Stadium des Mandantenkontakts ist Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg.
Vom ersten Telefonat bis zur Rechnung können Sie alles richtig machen – oder vieles falsch.

20 Fehler in der Mandantenkommunikation – und wie Sie es besser machen

Suchen Sie hier Ihr Stichwort:

Was braucht eine gute Kanzleikultur von A – Z?

Einige der Bausteine von A bis Z (Viel mehr weiter unten):

A – Akzeptanz: Wo Kanzleiführung nicht akzeptiert wird, drohen Fluktuation und Krankenstand.
B – Branding: Die Kultur nach außen sichtbar machen und als Alleinstellungsmerkmal im Markt nutzen.
C – Compliance: Einhaltung von Gesetzen, internen Regeln und berufsrechtlichen Pflichten als Selbstverständlichkeit.
D – Digitalisierung: Offenheit für neue Software, papierloses Arbeiten und digitale Kommunikation.
E – Entscheidungsprozesse: Transparente oder klare Wege, wie Entscheidungen in der Kanzlei getroffen werden.
F – Fehlerkultur: Offener Umgang mit Fehlern, um gemeinsam zu lernen, statt Schuldige zu suchen.
G – Governance = Führung : Chefs, die Werte vorleben (“Top-down”-Prinzip), statt nur Anweisungen zu geben.
H – Hierarchie: Flache Strukturen für schnellen Austausch oder klare Abstufungen bei großen Einheiten.
I – Identität: Ein gemeinsames Wir-Gefühl, das alle Mitarbeiter stolz macht, für diese Kanzlei zu arbeiten.
J – Jural Leadership: Spezielle Führungskompetenzen für Anwälte zur Teambetreuung.
K – Kommunikation: Ehrlicher, schneller und konstruktiver Austausch im Team und mit Mandanten.
L – Leitsätze: Formulierte Kanzleifragen, Werte und Ziele, an denen sich das tägliche Handeln orientiert.
M – Mandantenfokus: Den Mandanten und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Handelns stellen.
N – Nachfolgeplanung: Rechtzeitiges Übergeben von Mandaten und Partnerstrukturen an die nächste Generation.
O – Onboarding: Gutes Einbinden neuer Mitarbeiter, damit sie die Kultur vom ersten Tag an erleben.
P – Pro-Aktivität: Die Entscheidung, allen Beschwerden und Bedrohungen zuvor zu kommen
Q – Qualität: Hoher Anspruch an die juristische Arbeit und den Service am Mandanten.
R – Recruiting: Gezielte Suche nach Köpfen, die fachlich und menschlich in das Team passen.
S – Spezialisierung: Klare Ausrichtung auf Rechtsgebiete, die zur Identität der Kanzlei passen.
U – Umfeld: Ein modernes, angenehmes Arbeitsklima und eine ansprechende Kanzlerausstattung.
V – Vielfalt (Diversity): Verschiedene Perspektiven und Hintergründe im Team als Stärke begreifen.
W – Weiterbildung: Regelmäßiges Lernen und juristisches Coaching für alle Berufsgruppen in der Kanzlei.
X – X-Faktor: Das besondere Etwas, das die Kanzlei einzigartig und sympathisch macht.
Y – Youth (Nachwuchsförderung): Junge Talente gezielt fördern und an die Kanzlei binden.
Z – Zeitmanagement: Ein effektives Zeitmanagement beginnt in Kanzleien, BEVOR das Mandat angenommen wurde.

 

 

Details:

Kommunikation mit dem Mandanten – 20 Erfolgstipps

MandantINNen sind die Probleminhaber, AnwältINNen die Problemlöser.
Soweit scheint alles klar zwischen diesen beiden, selbst, wenn sie sich begegnen.
Doch weit gefehlt:

Kommunikationscrash und Rollenkonfusion
Missverständnisse sind in dieser Konstellation mehr als wahrscheinlich – aus Gründen:

Diese 20 Tipps bringen klare Kommunikation in die Kanzlei:

20 x Kommunikation in der Anwaltskanzlei

Der Probleminhaber (Mandant) ist nicht in der Form seines Lebens. Er hat keine Ahnung, was er machen und unterlassen muss, um sein Problem zu lösen. Das gehört zu seiner Rolle.
Der Problemlöser (Anwalt) hat niemals gelernt, mit (schwierigen?) Probleminhabern umzugehen. Er hält Monologe, sagt merkwürdige Wörter und bricht Versprechen. Das gehört NICHT zu seiner Rolle.

In diesen 20 Situationen pssieren immer wieder Fehler, deren Behebung im Alltag einfach ist:


Erste Kontaktaufnahme

Der Interessent schreibt eine E-Mail oder ruft an und erhält erst nach mehreren Tagen eine Antwort.

  • Fehler: Zu späte Reaktion, voreilige rechtliche Zusagen, zu positive Prognosen und unnötige Aktionszusagen brechen der Kanzlei das Genick.
  • Lösung: Schon die Assistenz kann und sollte eine schnelle Kollisionsprüfung durchführen und die Dringlichkeit klären (Gerichtsfrist oder nicht?). Der Anwalt antwortet innerhalb eines klar definierten Zeitfensters.

Seien Sie schnell:
Die Geschwindigkeit der Reaktion beeinflusst stark, ob der Interessent bei der Kanzlei bleibt oder weitere Anwälte kontaktiert.

Telefonische Erstberatung

Das Gespräch springt zwischen Themen. Struktur und Ziel fehlen ebenso wie wichtige Informationen.

  • Fehler: Zielfernes, unkonzentriertes und viel zu langes  Gerede
  • Lösung: Struktur schaffen im Erstberatungsggespräch: Anlass – Sachverhalt – Ziel des Mandanten – Rechtliche bzw. strategische Einordnung – to do. Assistenz mailt Kurzprotokoll (und sofort die Rechnung, falls es bei der Erstberatung bleibt).

Strukturieren Sie Ihr Gespräch
Der Mandant greift nach jeder Art von Struktur, da sie ihm fehlt. Bieten Sie ihm das.

Terminsvereinbarung

Mehrere E-Mails entstehen allein für die Suche nach einem Termin.

  • Fehler: Terminvereinbarung per Mail. Telefonisch ist “kein Zug drin”. Assistenz zu nachgiebig, Assistenz diskutiert.
  • Lösung: Die Assistenz vertritt das Kaiserschloss. Sie gibt telefonisch zwei Termine zur Auswahl und trägt einen davon ein.
    Klare Terminarten nennen mit Zeitfenster: für Erstorientierung, Erstberatung, Strategieberatung, Folgetermin, Dokumentenbesprechung

Geben Sie Hausaufgaben
Der Mandant weiß, welche Unterlagen er mitbringen muss und welches Ziel im Termin besprochen wird.

Honorarinformation

Dies ist einer der wichtigsten Kommunikationspunkte.
Wenn die Gegenleistung genauso klar und verbindlich erklärt wird wie die Leistung, sind Mandanten zufrieden.

  • Fehler: Der Anwalt antwortet nur technisch oder ausweichend auf die Frage „Was kostet das?“
  • Lösung: Der Anwalt erklärt früh, freiwillig, deutlich und in absoluten Zahlen alle Teile der Gegenleistung. Er sagt auch, wodurch eine Pauschale möglich wird, ob (der vom Aufwand her nicht abschätzbare Teil des Mandats) nach einem Stundenhonorar abgerechnet wird und wie hoch dieser Stundensatz ist.

Seien Sie verbindlich, furchtlos und klar
Ein Anwalt, der locker über den Gegenwert (Honorar) informiert (ohne zu diskutieren), betont seinen eigenen Wert.

Mandanten-Onboarding

Nach der Mandatserteilung beginnt die eigentliche Kundenbeziehung.

Fehler:

Lösung:

Optimierung

Jeder neue Mandant erhält eine klare Orientierung:

Willkommen – so geht es weiter:

  1. Ihr Ansprechpartner
  2. Benötigte Unterlagen
  3. Nächster Termin
  4. Kommunikationsweg
  5. Voraussichtlicher Ablauf

Wirkung

Unsicherheit sinkt deutlich, wenn der Mandant weiß:

„Was passiert jetzt?“

    1. Unterlagen anfordern

     

  • Fehler:
  • Lösung: ProblemE-Mail:„Bitte senden Sie uns alle relevanten Unterlagen.“Der Mandant weiß nicht, was relevant ist.

    Optimierung

    Konkrete Checklisten.

    Beispiel:

    Bitte senden Sie:

    • Vertrag vom …
    • Schriftverkehr mit …
    • Bescheid vom …
    • relevante Rechnungen
    • vorhandene Fristen

    Akquise-Sicht

    Je einfacher der Prozess, desto professioneller wirkt die Kanzlei.

    1. Statusupdates im laufenden Mandat

     

  • Häufiges Problem
    • Fehler:
    • Lösung:

    Der Mandant denkt:

    „Mein Anwalt macht nichts.“

    Obwohl tatsächlich gearbeitet wird.

    Optimierung

    Proaktive Kommunikation statt reaktive Kommunikation.

    Mögliche Updates:

    • „Wir haben den Schriftsatz eingereicht.“
    • „Wir warten derzeit auf die Stellungnahme.“
    • „Aktuell besteht kein Handlungsbedarf.“
    • „Der nächste erwartete Schritt ist …“

    Auch die Nachricht „Es gibt derzeit nichts Neues“ kann wertvoll sein.

    1. Schlechte Nachrichten kommunizieren

     

    • Fehler:
    • Lösung:
  • Lösung:
  • ProblemAnwälte neigen manchmal dazu, schlechte Nachrichten hinauszuzögern.OptimierungStruktur:Fakt → Bedeutung → Handlungsoption

    Beispiel:

    1. Was ist passiert?
    2. Was bedeutet das rechtlich?
    3. Welche Optionen bestehen jetzt?

    Wichtig

    Keine unnötige Beschönigung, aber auch keine reine Problemkommunikation.

    1. Verzögerungen erklären

    Problem

    Fristen oder Bearbeitungszeiten verlängern sich.

    Schlechte Kommunikation

    „Das dauert noch.“

    Bessere Kommunikation

    • Warum dauert es?
    • Wer ist beteiligt?
    • Was wurde bereits getan?
    • Was passiert als Nächstes?

    Akquise-Sicht

    Transparenz verhindert, dass Verzögerung automatisch als schlechter Service wahrgenommen wird.

    1. Juristendeutsch reduzieren

     

  •  Fehler:
  • Lösung:
  • ProblemDer Mandant bezahlt für Beratung, versteht aber das Ergebnis nicht.Optimierung

    Das Zwei-Ebenen-Prinzip:

    Ebene 1: Klare Alltagssprache
    Ebene 2: Juristische Details bei Bedarf

    Beispiel:

    Kurz gesagt: Ihre Erfolgsaussichten sind derzeit gut.
    Juristisch: Die entscheidende Frage ist …

    So bleibt die Kommunikation verständlich und fachlich präzise.

    1. Strategische Optionen darstellen

    Problem

    Der Anwalt sagt nur:

    „Wir können klagen.“

    Besser

    Mehrere Handlungsoptionen darstellen:

    Option Vorteil Risiko Aufwand
    Vergleich Schnellere Lösung Zugeständnisse Mittel
    Klage Konsequente Durchsetzung Prozessrisiko Hoch
    Abwarten Geringer Aufwand Zeitverlust Niedrig

    Akquise-Perspektive

    Der Mandant erlebt den Anwalt als strategischen Berater, nicht nur als juristischen Sachbearbeiter.

    1. Kommunikationskanäle festlegen

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Problem

    Der Mandant nutzt gleichzeitig:

    • E-Mail
    • Telefon
    • WhatsApp
    • persönliche Nachrichten
    • mehrere Ansprechpartner

    Optimierung

    Zu Beginn festlegen:

    • Welcher Kanal für was?
    • Wer ist Ansprechpartner?
    • Welche Reaktionszeiten gelten?
    • Wie werden dringende Fälle behandelt?

    Ergebnis

    Weniger Chaos und weniger Missverständnisse.

    1. Umgang mit unzufriedenen Mandanten

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Problem

    Beschwerden werden als Angriff wahrgenommen.

    Optimierung: 4-Schritte-Modell

    1. Zuhören
    2. Anliegen konkretisieren
    3. Fakten prüfen
    4. Lösung bzw. Erklärung anbieten

    Akquise-Sicht

    Ein professionell gelöster Konflikt kann die Beziehung sogar stabilisieren.

    1. Rechnungskommunikation

     

  • Fehler:
  • Lösung:
    • Fehler:
    • Lösung:

    Problem

    Die Rechnung kommt ohne vorherige Einordnung.

    Optimierung

    Bereits während des Mandats kommunizieren:

    • aktueller Leistungsstand
    • erwarteter weiterer Aufwand
    • Kostenentwicklung

    Bei der Rechnung

    Nicht nur eine Zahl senden, sondern den Leistungsbezug verständlich machen.

    1. Mandatsabschluss

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Häufiger Fehler

    Nach Abschluss des Falls endet die Kommunikation abrupt.

    Optimierung

    Abschlusskommunikation:

    • Was wurde erreicht?
    • Was ist noch zu beachten?
    • Welche Fristen bestehen weiterhin?
    • Welche Dokumente sollte der Mandant aufbewahren?

    Akquise-Effekt

    Der letzte Eindruck prägt stark die spätere Empfehlungsbereitschaft.

    1. Nachbetreuung

    Nicht jedes Mandat sollte nach der Rechnung vollständig enden.

    • Fehler:
    • Lösung:

    Mögliche Follow-ups

    • Erinnerung an relevante Fristen
    • Nachfrage nach einigen Wochen
    • Information über rechtlich relevante Änderungen
    • Einladung zu passenden Informationsformaten

    Wichtig

    Nur sinnvoll und datenschutz- sowie berufsrechtlich sauber.

    1. Empfehlungsmanagement

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Problem

    Zufriedene Mandanten empfehlen zwar theoretisch weiter, werden aber nie aktiv angesprochen.

    Optimierung

    Zuerst Zufriedenheit prüfen:

    „Waren Sie mit unserer Betreuung zufrieden?“

    Erst dann gegebenenfalls:

    „Wenn Sie jemanden kennen, der in einer ähnlichen Situation Unterstützung benötigt, freuen wir uns über eine Empfehlung.“

    Grundsatz

    Empfehlungen entstehen durch gute Betreuung – nicht durch aggressives Nachfassen.

    1. Bewertungsmanagement

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Problem

    Nur unzufriedene Mandanten äußern sich öffentlich.

    Optimierung

    Ein standardisierter Abschlussprozess kann vorsehen:

    1. Zufriedenheit abfragen
    2. Feedback intern auswerten
    3. zufriedenen Mandanten gegebenenfalls auf Bewertungsmöglichkeiten hinweisen

    Dabei müssen selbstverständlich die jeweils geltenden berufsrechtlichen und datenschutzrechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden.

    1. Interessenten, die kein Mandat erteilen

     

    • Fehler:
    • Lösung:

    Das ist aus Akquise-Sicht besonders interessant.

    Gründe können sein:

    • Preis
    • keine Dringlichkeit
    • Entscheidung vertagt
    • anderer Anbieter
    • unklarer Nutzen
    • fehlende Rückmeldung

    Optimierung

    Ablehnungs- bzw. Verlustgründe systematisch erfassen.

    Dann können Kennzahlen entstehen:

    Kennzahl Bedeutung
    Anzahl Anfragen Reichweite
    Erstgespräche Qualifizierung
    Mandatsabschlüsse Conversion
    Durchschnittlicher Mandatswert Wirtschaftlichkeit
    Empfehlungsquote Zufriedenheit
    Wiederkehrende Mandanten Bindung

    Empfohlene Gesamtstruktur für die Kanzlei

    Ich würde daraus ein Mandanten-Kommunikationssystem mit 5 Phasen machen:

    Phase 1 – Aufmerksamkeit & Erstkontakt

    Situationen 1–4

    Ziel:

    • schnelle Reaktion
    • Vertrauen
    • Qualifizierung
    • Terminierung

    Phase 2 – Mandatsgewinnung

    Situationen 5–6

    Ziel:

    • Nutzen vermitteln
    • Honorar transparent machen
    • Erwartungen klären
    • Mandat professionell starten

    Phase 3 – Laufende Betreuung

    Situationen 7–15

    Ziel:

    • Transparenz
    • Verständlichkeit
    • regelmäßige Kommunikation
    • weniger Rückfragen
    • höhere Zufriedenheit

    Phase 4 – Mandatsabschluss

    Situation 16

    Ziel:

    • professioneller Abschluss
    • Klarheit über das Ergebnis
    • positiver letzter Eindruck

    Phase 5 – Bindung & Akquise

    Situationen 17–20

    Ziel:

    Mein Vorschlag für die praktische Umsetzung

    Aus diesen 20 Situationen kann man sehr gut ein internes Kanzlei-Handbuch entwickeln. Für jede Situation würde ich immer dieselbe Struktur verwenden:

    1. Auslöser
      Wann tritt die Situation ein?
    2. Ziel
      Was soll kommunikativ erreicht werden?
    3. Anwaltliche Anforderungen
      Was ist rechtlich und fachlich wichtig?
    4. Akquise-Ziel
      Welchen Einfluss hat die Situation auf Mandatsgewinnung und Bindung?
    5. Standardprozess
      Wer macht was und wann?
    6. Kommunikationsvorlage
      E-Mail, Telefonleitfaden oder Nachricht.
    7. Kennzahl
      Woran erkennen wir, ob der Prozess funktioniert?

     

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36 Jahre Anwaltstraining und Kanzleimarketing. Genießen Sie Neues, Anregendes und Lernbares aus dem Anwaltsalltag.

36 Jahre in Bild und Wort:
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Johanna Busmann, Hamburg
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