Fragetechnik für Referenten
Die Zeit vergeht wie im Flug, das Publikum ist sehr wach und Pausen werden unnötig.
Durch Zurufe, Proteste oder ganze Redebeiträge aus dem Publikum weiß der Referent, wie er sein Publikum fesselt statt es zu langweilen.
Er schaltet kurze Frage-Sequenzen ein, durch die Abwechslung sofort möglich ist.
Das Publikum wird auf Referentenfragen gern antworten, wenn
- die Antwort nicht zu schwierig ist
- die Antwort nicht ewig diskutiert wird
- der Referent sich selbst zutraut, Antworten zu bekommen
- der Referent sich im Moment der Frage hinsetzt
- der Referent gespannt herumschaut
- der Referent auf keinen Fall seine eigene Frage erklärt!
Fragearten während eines Seminars:
Schätzfrage:
Der Referent aktiviert das Publikum durch Schätzfragen.
„Was schätzen Sie, wie viele neue Gesetzesbestimmungen in den vergangenen drei Jahren das Erbrecht erfahren hat?“ Schätzfragen haben den Vorteil, dass jeder mitmachen kann, dass sie die Runde auflockern, dass die Antwort niemals falsch sein kann – und dass der Referent die korrekten Zahlen darstellen kann.
Die Schätzfrage sollte stets zu einem wichtigen Vortrags-Inhalt führen, irritieren oder provozieren.
Erfahrungsfrage:
Leiten Sie durch eine Erfahrungsfrage den inhaltlichen Teil Ihres Vortrags ein.
Der Referent testet den Erfahrungstand im Publikum: „Sie sind alle Unternehmer. Was kann im Alltag passieren, wenn Sie nicht rechtzeitig x veranlassen?“ Antworten auf Erfahrungsfragen verdeutlichen Persönlichkeit und Heterogenität der Teilnehmer; Schüchterne werden sich nicht beteiligen und Personen, die ihren Alltag geheim halten möchten, auch nicht.
Schwierige Informationsfragen:
Stellen Sie Ihren Hörern eine schwierige Informationsfrage aus Ihrem Seminarthema.
„Binnendifferenzierung“ erleichtert den Umgang mit Leistungs- und Erfahrungsheterogenität der Teilnehmer.
Sie ist ein didaktisches Instrument und bewirkt, dass die inhaltlich „Schwächeren“ im Publikum schnell dazu lernen und die inhaltlich „Stärkeren“ sich nicht langweilen.
Einfache Informationsfragen:
Stellen Sie Ihren Hörern eine einfache Informationsfrage aus Ihrem Seminartema.
Der Referent beantwortet einfache Informationsfragen der Teilnehmer nie selbst, sondern gibt sie weiter.
Ein Hörer fragt: „Ich weiß gar nicht, was ein Pflichtteilsanspruch genau ist.“
Der Referent setzt sich, schau in die Runde und fragt: „Wer kann es erklären? Was genau ist ein Pflichtteilsanspruch?“
Fragen zum Thema, die der Vortragende nicht selbst beantworten kann
Das wird von vielen anwaltlichen Rednern als peinlich empfunden. Er wird für die Vermittlung von Wissen bezahlt und hat selbst keins. Doch es gibt einen eleganten Ausweg: Der Vortragende antwortet ehrlich, dass er „im Moment nicht ausreichend seriös und erschöpfend“ auf diese Frage antworten kann.
Falls kein weiterer Jurist im Raum ist, fragt er: „Wer von Ihnen hat außerdem noch Interesse an der Antwort?“
Es melden sich immer mehr als einer! Er sagt: „Kommen Sie doch bitte alle kurz nach dem Vortrag nach vorn zu mir. Ich würde Ihnen gern per e-mail die ausführliche Antwort in wenigen Tagen übersenden.“
Fragen abseits des Themas, die der Vortragende jetzt nicht beantworten will
Gute Dozenten kommen niemals ungewollt vom Thema ab. Manchmal dient ihnen ein abseitiges Thema zur Auflockerung, bedient interessante Seitenaspekte des Hauptthemas oder leitet direkt eine Akquise in einem anderen Rechtsgebiet ein.
Organisatorische Fragen
Der Referent bestimmt – zusammen mit dem Veranstalter – alle organisatorischen Abläufe in seinem Vortrag.
Alle Fragen der Teilnehmer über vorher festgelegte und mitgeteilte Eckdaten (Schlusszeiten, Pausenzeiten, Pausendauer, Art und Dauer des Mittagessens etc) werden nicht diskutiert.