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„Sei lieb, Uschi“ – Anwältinnen zwischen Selbstdemontage und Selbstfindung

Ständig wollen ausgerechnet Anwältinnen „Familie und Beruf unter einen Hut kriegen“.
Das ist leider nicht nur ein semantischer Fehlgriff.
Genießen Sie meinen provokaten Aufsatz „Sei lieb, Uschi“.

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Beruf und Familie gehen nicht weg. Karriere und Kinder schon.

Anwältinnen haben ihren Beruf exakt mit dem letzten Tag des bestandenen Zweiten Examens. Wenn sie das, was sie da haben, „mit der Familie vereinbaren“ wollen, müssen sie gar nichts mehr tun. Beruf ist fertig. Familie auch.
Berufe gehen nie weg, Familien auch nicht. Selbst dann nicht, wenn man sich von beidem Zweitversionen beschafft oder sich von beidem trennt.

Suchen Sie jetzt Ihr Stichwort:

Warum soll ich „Karriere“ und „Kinder“ vereinbaren? Weil es sich lohnt.

Freiwillige Selbstbeschränkung

Eine fertig ausgebildete und vielleicht sogar zugelassene Anwältin, die im Alltag „nebenbei“ die acht unterschiedlichen Berufe einer Hausfrau ausübt, hat ihren Ausbildungs-Beruf perfekt mit der Familie vereinbart, ohne ihn beim Wäscheaufhängen jemals auszuüben. Dies wird von der ganzen Familie unisono beklatscht. „Was willst du mehr? Du hast doch schon uns“. Das gilt selbstredend in besonderem Maße, wenn eine Anwältin vom Wohnzimmer aus (in dem sich gerade auch die Wäschespinne auf ihren erneuten Einsatz vorbereitet) auf Mandanten wartet, deren Belange sie in der Post-Wäsche-Zeit abarbeitet.

„Karriere und Kinder unter einen Hut bringen“ – DAS wär‘s mal!

Schon mal drüber nachgedacht, dass Sie auf dem Weg zu einer Karriere so gut wie alles selber entscheiden und machen sollten, während Sie in der Familie gut daran tun, möglichst viel zu delegieren?

Jerry Hall und die vier Privat-Rollen einer verheirateten Frau

Das lernen wir m.E. auch von Jerry Hall, der langjährigen Ehefrau von Mick Jagger.  In einem Anfall von weiblicher Identitätsbildung sprach sie äußerst treffend aus: „Eine Frau muss ein Zimmermädchen im Wohnzimmer sein, eine Köchin in der Küche, ein Kindermädchen im Kinderzimmer und eine Hure im Schlafzimmer; und nur die drei ersten kann sie delegieren.“)

Karriere ist was anderes als Beruf!

Äh, jetzt mal zurück: Nach der Berufsausbildung ist Karriere also – ganz im Gegensatz zum Beruf – nur durch größte, permanente Anstrengung erreichbar. Wenn also mal jemand „Karriere und Kinder unter einen Hut bringen“ möchte, ist er bekanntlich weiblich, nennt „Karriere“ zuerst – und meint es tatsächlich ernst!

Jungs sagen sowas gar nicht erst.

Sie suchen forschend hinter ihren eigenen Augen (deshalb immer dieses „Augenrollen“!) nach dem Problem, weil sie nicht mal das Thema kennen. Sie machen nämlich „nach dem Kind“ einfach so weiter. So wie vor der Zeugung. Ich weiß ja schon: Manch stolzer Vertreter der Spezies mit dem fehlenden X-Chromosom nimmt die Pappazeit – und hat seine Rückkehr bei seinem Arbeitgeber an Bedingungen geknüpft, z.B. an gestiegenes Gehalt, Dienstwagen, kostenlose Massagebehandlung in der Mittagspause etc. Welche Anwältin kommt auf diesen Gedanken: Weniger Mammazeit zu nehmen als der Pappa Pappazeit. Und dann noch beim Arbeitgeber Bedingungen für die Rückkehr zu stellen? Oh, Frauen, sagt doch mal: Wieso lernen wir das nicht endlich von denen?

Die ABS-Vollbremsung („Anwältinnen betreiben Selbstdemontage“)

Wer die Forderung mit diesem wording „Karriere“ nicht nur laut ausspricht sondern auch wirklich will, wird auf gar keinen Fall jemals von Jungs gebremst – sogar, wenn manche das versuchen könnten. Denn Karriere mögen sie.

Schluss mit der Opferinszenierung!

Wer nur noch moralisch überlegen ist, gibt Überlegenheit in wichtigen Bereichen auf.
Das ist ja auch so eine primitive und dem eigenen Ego dienliche Opfer-Vorstellung von Mädchen, die auf keinen Fall Frauen werden möchten: „Wir werden von Umständen, Politik oder Personen ständig behindert“!
NeNe! Jungs, wie schon gesagt, mögen Karriere. Die haben NULL Angst davor. Die kennen es nicht anders. Die sehen gar kein Problem dahinter. Die machen. Die messen sich auch gern. Bestimmt auch mit Frauen. Jungs bleiben bei ihren Plänen. Die haben schon längst Familie und Karriere vereint, denn sie haben den einen Teil an Leute delegiert, die das wollen – und daher super können. Schlau ist das doch!

Jungs das Gaspedal – Mädchen die Bremse?

Während Jungs einfach mehr Gas geben, falls mal ein anderer sie überholen möchte, stehen Anwältinnen seit Tagen auf dem selbst gewählten Parkplatz und beschuldigen wildfremde Menschen, dass sie von der Autobahn abgebogen sind:

  • Besonders beliebt ist es derzeit in Kanzleien, ein halbes Jahr nach dem Teilrückzug ins Privatleben darüber zu jammern, dass „die männlichen Kollegen mir die lukrativen Mandate wegnehmen“.

Weiter bis zur Lösung im Aufsatz „Sei lieb, Uschi“ 🙂

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